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22.06.10 - Auf Kriegsfuß mit den Pferdefüßen
Eine kritische Betrachtung des Instruments, mit dem Fußballspieler den Ball handhaben / Von Timo Frasch

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.06.2010 Seite 9: "Gemessen daran, wie viel Aufhebens derzeit um den Fußball gemacht wird, ist es bemerkenswert, wie viel dabei vom Ball und wie wenig vom Fuß die Rede ist. Das ist freilich ein altes Phänomen...

Intimere Einblicke gewährt bis heute nur der Zufall, wie kurz vor der Weltmeisterschaft, als Michael Ballack am Fuß verletzt worden war. Man mag den früheren Kapitän der Nationalmannschaft an dem Tag, an dem das seltene Foto mit seinem nackten, aus dem Gips ragenden Fuß entstand, bedauert haben – wegen des vorausgegangenen üblen Fouls und weil er nun in Südafrika nicht spielen kann. Das eigentlich Erschreckende an dem Bild war aber nicht der Zustand seiner Syndesmosis, sondern der seiner Zehen...

Der Fuß ist daher nach wie vor ein Reizthema oder auch Tabu, das ungleich mehr polarisiert als etwa die Hand, die in dieser Hinsicht auch schon nicht unterschätzt werden sollte. Während in der Bevölkerung jedoch weitgehend Einigkeit darüber besteht, dass manche Hände schön sind und andere eben nicht, ist die Fußrezeption vornehmlich dichotomisch: Entweder man findet Füße an sich hoch problematisch (das dürfte die Mehrheit sein) oder aber geradezu anbetungswürdig. Eine Suche im Internet nach dem Stichwort „Fußfetischismus“ ergibt denn auch viel mehr Treffer (3 860 000) als zum Thema „Handfetischismus“ (2510), was auch nicht gerade für den Fuß spricht.

Was also tun? Zunächst geht es um einen Wandel in den Köpfen.... weiterlesen
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Schuhe sind überbewertet
Seit fünf Jahren läuft Johannes Kathol barfuß - egal ob Asphalt, U-Bahn oder Kopfsteinpflaster
15.06.2010: das Interview von Nina Trentmann über Johannes Kathol und das Barfußlaufen erschien Mitte Juni in der Welt Kompakt
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13.04.10 - "Der Schmerz" barfuß getanz
Corinna Harfouch inszeniert „Der Schmerz“ von Marguerite Duras am Staatstheater Stuttgart

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.04.2010 Seite 29: "Paris im April 1945, ein Auffanglager für Kriegsheimkehrer und KZ-Häftlinge am Bahnhof Orsay. Eine Frau wartet auf ihren nach Buchenwald verschleppten Mann: Die Frau ist Marguerite Duras, der Mann Robert L., ein Résistance-Kämpfer aus der Zelle François Mitterrands. Während die Stadt in Erwartung des Friedens jubelt und de Gaulle seinen „kriminellen Satz“ (Duras) „Die Tage der Tränen sind vorbei“ sagt, ist die Frau wie paralysiert: schlaflos, gereizt, krank. Jeder Bissen, den sie isst, wird ihm fehlen, jeder Mann, den sie liebt (und sie hat gerade eine Affäre mit D.), wird ihn endgültig töten. Der drohende Verlust, in ihren Visionen schon ein Faktum, trennt sie von den feiernden Siegern wie von den Besiegten, die als Kollaborateure durch die Straßen gehetzt werden. Der Schmerz reißt sie selbst entzwei. Sie ist Täterin und Opfer, das klassische Ebenbild der wartenden Frau und die Verräterin, die ihr „Martyrium“ als gerechte Strafe empfindet: Sie war keine Heldin des Widerstands, weder sich noch ihm treu. Am Ende, als Robert, mehr tot als lebendig, wider Erwarten zurückkehrt, wird sie ihn verlassen.


Annette C. Daubner, Corinna Harfouch, Julia Oschatz, Hermann Heisig © Sonja Rothweiler

Wo sie das Tagebuch fand, das sie 1985, romanhaft bearbeitet, veröffentlichte, wusste Marguerite Duras genau: in ihrem Landhaus, in den blauen Schränken von Neauphle-le-Château. Ob und wann sie „Der Schmerz“ geschrieben hatte, konnte (oder wollte) sie später nicht mehr sagen. ... Corinna Harfouch liest die Sätze aus dem Vorwort von Marguerite Duras so nüchtern und unbeteiligt, als ob sie das Buch gerade erst gefunden hätte. Sie spielt den „Schmerz“ gleichsam in Anführungszeichen, barfuß, ganz in Schwarz, wie auf einer Probe.
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Anna-Luise Recke, Hermann Heisig © Sonja Rothweiler

„Der Schmerz“ lebt von der unerbittlichen Dialektik von Erinnern und Vergessen, schmerzhafter Präzision und Verdrängung. Harfouch verzichtet auf das manchmal schwer erträgliche Pathos bei Marguerite Duras: Ihr „Schmerz“ ist das Drama einer Frau, die mit jeder Faser ihrer Existenz geliebt und gewartet hat und jetzt in ihrem heimkehrenden Mann nur noch einen Fremden sieht.

Schon vor einem Jahr, in ihrer ersten Regiearbeit für das Stuttgarter Staatstheater, spielte Corinna Harfouch eine betrogene Betrügerin. In Yasushi Inoues „Jagdgewehr“ zelebrierte sie das Drama von Liebe und Verrat als japanisch strenges Ritual. Jetzt ist alle hoheitsvolle Herbheit weg; zurück bleibt eine gebrochene Frau. Ihre Verzweiflung, ihr Hass, ihre Hoffnung haben nichts mehr mit Robert zu tun. Um das Ungeheuerliche zu begreifen, muss man brüderlich teilen, individuelle und nationale Schicksale zu Kollektivschicksalen machen: „Wir gehören zur Rasse derer, die in den Krematorien verbrannt werden und zu den Vergasten von Maidanek, wir gehören auch zur Rasse der Nazis.“


Corinna Harfouch, Anna-Luise Recke © Sonja Rothweiler

Der Satz fehlt in Stuttgart. Aber so wie die Verbrechen der Täter und die Leiden der Opfer zu groß für ein Volk sind, ist auch der Schmerz zu groß für eine Frau. Harfouch kennt keine egoistische „Lust des Schmerzes“; sie nimmt sich zurück ins Kollektiv. Immer wieder schichten die sechs Akteure gemeinsam schwarze Steine zu Mauern, Gräbern und am Ende gar zum Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals um. Johannes Gwisdek, Harfouchs Sohn, überblendet am Mischpult krächzende Radiostimmen mit Edith Piafs „J’attandrai“. Zwei Tänzer schlagen und winden, lieben und verfehlen sich in ekstatischen Verrenkungen: In Hermann Heisigs Gliedern steckt offenbar noch der Terror, in denen von Anna-Luise Recke die Ungeduld des Herzens. Die Bühnenbilder von Julia Oschatz steuern mit Videoinstallationen und Pinsel Schlüsselwörter, Möwen am Strand oder auch eine gemalte Erschießungsszene bei..." MARTIN HALTER

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03.04.10 - Wieder ein Schuh, der ursprüngliche Bewegung simuliert - Verbraucher werden einen Milliardenbetrag dafür ausgeben
„Das wirkt bei Frauen in der ganzen Welt. Alle wollen einen besseren Po haben.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.04.2010 Seite 16: "Nach mehreren Jahren als Sorgenkind des Adidas-Konzerns macht die amerikanische Sportmarke Reebok Hoffnungen auf eine Wende: Ein neues Schuhmodell, das dabei helfen soll, die Muskeln zu straffen, hat sich in Amerika als Verkaufsschlager entpuppt. Adidas ist es damit zum ersten Mal gelungen, Reebok jenseits von Billigschuhen auch in höheren Preisklassen zu positionieren ...

Daneben hätten aber auch die Mitte 2009 in Amerika eingeführten Easytone-Schuhe einen gewaltigen Schub gebracht. 2009 habe Reebok noch knapp eine Million Paar verkauft, für 2010 sind die Orderbücher gut gefüllt, und es sollen mindestens 5,5 Millionen Paar abgesetzt werden. Das neue Produkt hat dazu beigetragen, dass Reebok im Schlussquartal 2009 auf dem Heimatmarkt ein Umsatzplus von 4 Prozent schaffte, während die ganze Adidas-Gruppe hier ein Minus von 7 Prozent verzeichnete.

Sportschuhe, die einen positiven Effekt auf die Figur in Aussicht stellen, sind in Amerika zum Trendprodukt geworden. 2009 betrug der Umsatz mit solchen Schuhen nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group 145 Millionen Dollar, Analysten meinen aber, das Volumen könne schnell auf einen Milliardenbetrag wachsen.

Die Easytone-Schuhe von Reebok erzeugen ein Ungleichgewicht, ähnlich wie wenn man auf Sand läuft, und machen eine größere Muskelanstrengung nötig. Reebok verspricht, dass dies schon beim Gehen und ohne zusätzliche sportliche Betätigung für straffere Beine und einen strafferen Po sorgt. „Das wirkt bei Frauen in der ganzen Welt. Alle wollen einen besseren Po haben“, sagte Reebok-Chef Uli Becker. Die rund 100 Dollar teuren Schuhe gibt es seit kurzem auch in Deutschland, und sie werden aggressiv beworben. Becker nannte keine Zahlen, sagte aber, dies sei die teuerste Kampagne eines Sportartikelkonzerns in Deutschland seit der Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren. lid."