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Musikerinnen und Musiker treten barfuß auf
© EMI
Das Plattencover von "Abbey Road", dem elften Album der Beatles, das am 26. September 1969 veröffentlicht wurde. Es wurde nach einer Straße im Londoner Stadtteil St. John’s Wood benannt. Das Album mit dem Foto (fotografiert von Iain MacMillan) der Beatles, wie sie auf dem Zebrastreifen vor den „Abbey Road Studios“ in London hintereinander gehen (Paul McCartney barfuß), ist weltbekannt. Es wurde am 8. August 1969 um 10:00 Uhr morgens aufgenommen (Abbey Road 3, Ecke Grove End Road). Auch John Lennons weißer VW Käfer auf dem Bild hat Weltruhm erreicht. Am 8. Mai 1999 ersteigerte Eckberth von Witzleben den Käfer für 34.160 DM (17.178 EUR), um das Fahrzeug im VW-Museum auszustellen. (Wikipedia. Mehr...)
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14.05.2010 - LaBrassBanda
Im Club "Hare and Hounds" in Birmingham. Stefan Dettl (Sepp) vorne. Foto: Martin Wittmann
Die barfüßige Blaskapelle in Britannien
Bayerischer Gesang und Blasmusik: Diese Band sorgt für Furore. In England spielen sie in Lederhosen gegen Klischees an.
Eine Woche auf Tour mit LaBrassBanda. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.05.2010 Seite 7
Von Martin Wittmann
"Tag 1 Rund 20 Stunden dauerte es, um den Bus der Band von Giesing in München nach Hoxton in London zu überführen. Nicht ganz so lange dauert es dort, bis dem Bus ein Fenster und der Band das Navigationsgerät fehlt – das Viertel, in dem die Musiker ein Apartment gemietet haben, gilt nicht als das sicherste. Unbeschadet sitzt in der Wohnung die Band um Stefan Dettl. Er wird Sepp genannt, weil sein Vater so heißt. Sein Bayerisch gibt sich bei keinem Wort die Mühe, nach der Schrift zu klingen. Durch das Fenster zieht kühle Nachtluft herein. Sepp zieht seinen braunen Strickjanker zu. Über die Stirn zieht sich eine kaum sichtbare Narbe, seit er sich einmal nach einem Konzert in einem Freibad nackt und kopfüber ins Nichtschwimmerbecken gestürzt hat.
Er knüpft seine Trompete frei, die wie die Trinkflasche eines Wanderers an den Rucksack geschnürt ist. In seinem Dorf, in Grassau im Chiemgau, gebe es die Markt- und die Trachtenkapelle, erzählt er, und er habe schon als Kind in beiden gespielt. Später, als die Karrieren gleichaltriger Dorfmusiker im Wirtshaus endeten, bestand Sepp die berüchtigte Aufnahmeprüfung am Richard-Strauss-Konservatorium in München, machte sein Konzertdiplom in klassischer Musik und studierte danach noch Jazztrompete. „Aber i wollt scho immer, dass die Leut’ auf mei Musik tanzn.“ Clubmusik wollte er machen und dabei seine Wurzeln nicht vergessen. So führte er vor drei Jahren bei einem Schweinebraten die heutigen Mitglieder von
LaBrassBanda zusammen. Sepp komponiert, textet, spielt Trompete, hält auf der Bühne die Ansprachen und singt. Würde er sich nicht so vehement gegen Anglizismen wehren, könnte man ihn den Bandleader nennen. Wie die anderen schläft er an diesem Abend früh ein. Nur der Hans würde so gern noch raus in die Londoner Nacht.
Tag 2 Das mächtige BBC-Gebäude wirkt wie ein Schiff. Und so bekommen Mundart und Instrumente, welche die jungen Bayern an diesem Morgen vom Bus in das Funkhaus tragen, etwas Piratenhaftes. Am auffälligsten sind Sprache und Tuba von Andreas Hofmeir aus der Holledau, auf dessen BBC-Gastausweis allerdings „Hans“ steht. Den Namen habe ihm der Sepp gegeben, als sie im Landesjugendorchester spielten, sagt er. Weshalb? Weil er eben ausgesehen habe wie ein Hans.
Im Studio stürmt die Moderatorin der World-Music-Sendung „World on 3“, Lopa Kothari, auf die probenden Musiker zu und busselt jeden ab. Sie habe LaBrassBanda im November zum ersten Mal gehört und sie daraufhin sofort ins Studio geladen, wegen der „amazing energy“.
An diesem Tag nimmt die Band vier Lieder auf, die sich nicht einordnen lassen und als Revolution von unten, also von Süden her, gelten können: Bläser klingen hier melancholisch nach Alpenidylle, um dort unvermittelt in wildes Balkanspiel zu wechseln. Dub-Klänge mischen sich mit Jazz, bevor Schlagzeug und Bass zu einer Geschwindigkeitsorgie ansetzen, die von der Band als „Bavarian Techno“ vorgestellt wird. Darüber liegt Sepps Sprechgesang über Heimat und Frauen. Auch für Auswärtige klingt sein Rap wegen der offenen Vokale und der Diphthonge des Bayerischen einnehmend: „Übern Bauernstadl hintre geh I aufe auf die Felder / schau vo hint aus wia a Guadl, hob die Haar zam wie a Wuida“. Ein BBC-Mitarbeiter sagt: „I like that sound!“ Er imitiert Sepps Melodik, was sich wiederum kaum besser als Sepps Englisch anhört.
Posaunist Manu Winbeck schläft, Manu da Coll hört Musik vom Laptop. Foto: Martin Wittmann
Lopa Kothari bittet die Band an den Interview-Tisch und stellt sie vor: Manu Winbeck aus dem oberbayerischen Tegernbach. Schon als Kind wollte er Posaune spielen, musste sich aber zunächst mit Klavierunterricht begnügen, weil seine Arme für das Blasinstrument zu kurz waren. Erst als er 14 Jahre alt war, hatten seine Gliedmaßen die richtige Länge für Blaskapelle, Schulorchester, Cover-Bands. Heute ist er der Ruhepol der Band und schreibt mit Sepp an den Texten. „Und des, obwohl i in Deutsch nie recht gut war“, sagt er, als spiele das eine Rolle.
Schlagzeuger Manuel Da Coll kommt aus Unterschleißheim und wird Yossi genannt. Mit seinem roten Schopf, dem Schnauzer, der Woody-Allen-Brille, den schwarzen Röhrenjeans und einer britischen Musikzeitschrift unterm Arm fällt er in London am wenigsten auf. Manu und Yossi kennt Sepp vom Konservatorium. Einziges Bandmitglied, das sein Instrument nicht studiert hat, ist Olli Wrage. Vielmehr lebte der Rosenheimer jahrelang im Exil in Berlin und machte elektronische Musik. „Aber da schaun dich die Leut’ ja mit’m Arsch net an.“ Wenn er heute mit LaBrassBanda nach Berlin kommt, tanzt sein Publikum nicht zaghafter als früher. Nur jodelt es nun. Wieso er während der Aufnahme seine Jeans ausgezogen und eine Lederhose übergestreift habe, fragt Lopa. Und Olli sagt, die sei, wenn er seine schwitzenden Finger abwische, am aufnahmefähigsten. Was von der Musikindustrie als identitätsstiftende Authentizität bezeichnet wird, heißt auf Bayerisch übersetzt: in Lederhosen nicht verkleidet aussehen. Den Abend verbringt die Band im Apartment. Nur der Hans nimmt am Biertest eines Pubs teil.
Tag 3 „Übersee“ heißt die zweite CD der Kapelle. Das steht für den Ort am Chiemsee, an dem die Lieder aufge-
Schlagzeuger Manu da Coll, in den nommen wurden, und für den Drang nach draußen. So
BBC-Studios. Foto: Martin Wittmann spielte die Band schon in Bosnien, Zimbabwe, Dänemark; eine vom Goethe-Institut initiierte Tour führte sie durch Sibirien; mit einem alten Feuerwehrauto, auf dessen Ladefläche ein Schlagzeug geschraubt war, steuerten sie in die verschneiten Alpen, um dort mit umgeschnallten Instrumenten auf Holzskiern von Hütte zu Hütte zu fahren; als vor zwei Jahren ihre erste CD, „Habedieehre“, erschien, schlichen sie mit einem 1953er Eicher Bulldog und fünf Zündapp-Mopeds in acht Tagen vom Chiemsee nach Wien, wo gerade die Fußball-EM stattfand.
Dies ist schon die dritte England-Tour... Zu fast jeder Aktion von LaBrassBanda finden sich selbstgedrehte Videoschnipsel auf Youtube und Facebook, Neuigkeiten werden getwittert. Nach einem langen Tag in einem Londoner Proberaum leuchten auch an diesem Abend die Gesichter im blauen Widerschein ihrer Computer. Yossi skypt mit seiner Freundin und remixt nebenbei die Lieder der Band, während an anderen Computern der BBC-Auftritt vom Vortag geschnitten wird.
Tag 4 ...
Tag 7 London glitzert in der Frühlingssonne, aber die Idee, auf dem Markt in der Brick Lane zu spielen, wird schnell verworfen – Posaunist Manu hat sich vergangene Nacht Glasscherben eingetreten. Bleibt die Heimfahrt. Vierzehn Stunden dauert es, bis die Band nach einer Reise durch vier Länder in der nächsten Fremde ist, in Norddeutschland. In England lassen sie neben dem Navigationsgerät viele Briten zurück, die deutsche Blasmusik zu schätzen gelernt haben, und ein paar Diaspora-Bayern, denen die Manu Winbeck zieht Glasscherben aus der Fußsohle. Foto: Martin Wittmann
Komplexe kleingesungen wurden. Wie hatte Lopa Kothari von der BBC gesagt? „It’s Rock ’n’ Roll.“ Olli präzisierte: „But it’s also Bavarian.“ "
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.05.2010 Seite 7
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16.07.2009 - Name: Lená | Age: 18 | Job: Student | Hobby: Music, Literature, Theatre | Country: Germany | City: Kamen