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Sein Leben dreht sich um nackte Füße: Johannes Kathol
06.12.2008, 18:05: Der 2:38 minütige Fernsehbeitrag des ems-Volontärs Robin Avram, der am 24. Juni 2009 in Falkensee und Berlin gedreht wurde ist  abrufbar auf Youtube.
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Indien: Tennisspielerin wegen nackter Füße verklagt
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Der Grund der Aufregung: Sania Mirza mit nackten Füßen vor der indischen Fahne
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Welt Online vom 11.01.08, "Sania Mirza (21) saß beim Tennisturnier Hopman Cup in Peth barfuß neben der indischen Fahne. Deswegen wird sie in ihrer Heimat von Fundamentalisten verklagt. Der besten indischen Tennisspielerin drohen nun bis zu drei Jahre Haft. Sie wird bereits seit Monaten auch von Islamisten verfolgt."
Zum Bericht von Sven Görn
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Dieser Postbote ist Deutschland tapferster Briefträger

"Trotz niedriger Temperaturen und eiskalten Asphalts trägt er die Post in Köln barfuß aus. „Der kommt nie mit Schuhen“, sagt der Leser-Reporter ..." (Bild.T-Online.de)
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Die kybun Philosophie

"Durch natürliche Fußbewegungen auf dem weichen Federboden – 'kyBounder' genannt – wird die Körperhaltung ausbalanciert. Dies spricht gezielt die vernachlässigten, tieferliegenden Muskelschichten an. Alleine das Stehen auf dem weichen Federboden verleiht ein Gefühl, als bewege man sich auf weichem Gras, Moos oder Sand. [...] MBT-Erfinder Karl Müller hat die sanfte kybun Trainingsmethode entwickelt. Sie basiert auf einem neuartigen Steh- und Laufkonzept, welches Menschen vermehrt vom Sitzen zum Stehen animiert und deren Freude an der Bewegung zurückholt." (kybun ag, CH-9325 Roggwil)
„In 4 Jahren sind wir mit kybun in zehntausend Fitnesscenters!“
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Klimaforscher warnen vor Flugreisen: Sylt statt Seychellen
"Umweltbundesamt und Experten fordern: Deutsche sollen ihren Urlaub vorzugsweise im eigenen Land verbringen: "Sylt statt Seychellen" / Hinweis auf schlechte Ökobilanz des Luftverkehrs

BERLIN, 03.03.2007 - Wenige Tage vor Eröffnung der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin haben Klimaexperten und Politiker vor den Folgen des rasant wachsenden Flugverkehrs gewarnt und die Reisenden zum Urlaub im eigenen Land aufgerufen. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, sagte der Berliner Zeitung: "Wir sollten für den Klimaschutz auch über unsere Reisegewohnheiten nachdenken. Wer mit dem Flugzeug nach Südostasien reist, sollte wissen, dass dabei mehr als sechs Tonnen Kohlendioxid pro Kopf entstehen." Zum Vergleich: Ein Reisender, der mit dem Zug von Berlin an die Ostsee und zurück fährt, verursacht nur 35 Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Das Klimagas CO2 gilt als Hauptverursacher der Erderwärmung.

Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast: "Es gibt viele wunderbare Ferienregionen in Deutschland, die es zu erkunden lohnt." Der Erholungswert könne dort schnell höher sein als beim Kampf um den letzten Strandplatz für das eigene Handtuch, so die Grünen-Politikerin. Der Vorsitzende des Deutschen Reiseverbandes, Klaus Laepple, wies gestern darauf hin, dass Deutschland auch in diesem Jahr das beliebteste Reiseziel der Deutschen sei.

"Sylt statt Seychellen: Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte Flugreisen vermeiden und in Deutschland Urlaub machen", mahnte auch der Tourismus- und Klimaexperte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Manfred Stock. Die Flugzeuge gehören nach den Worten Stocks zu den umweltschädlichsten Verkehrsträgern überhaupt. ..."

Ungekürzte Fassung von Jörg Michel, erschienen in der "Berliner Zeitung" am 03.03.2007

Die Barfuß-Initiative-Berlin empfielt: Global denken - lokal handeln !
Freizeit und Reisen mit der Barfuß-Initiative-Berlin = 100% umweltgerechter, sanfter Tourismus!

Anreise mit Bus und Bahn + äußerst naturschonender Sport und Spaß, weil sanfte, barfüßige Fortbewegung + ressourcenschonend und klimaneutral, weil Neuanschaffung von spezieller Outdoor-Ausrüstung (made in asia) unnötig ist.

BARFUSS-SPASS - PRAKTISCH, ANGENEHM, GESUND UND  UMWELTSCHONEND!


NIKE: LAUFE BARFUSS. ODER SO BARFUSS WIE MÖGLICH.

Werbeprospekt der Fa. NIKE, März 2007: "RUN NATURAL Frauen hier entlang":

"DIE NATUR GAB DIR DAS TALENT ZU LAUFEN. NUTZE ES.
Die Evolution hat dich zur perfekten Läuferin gemacht. Doch dann kam die Zivilisation. Sie hat deine Umwelt so sehr verändert, dass dein angeborenes Bewegungstalent verkümmmerte. Um dieser Entwicklung ein Ende zu setzen, müssen wir nochmal ganz von vorne anfangen.
Dein Körper muss seine natürlichen Bewegungsmuster und Fuktionen wieder neu erlernen.
Lass uns mit deinen Füßen beginnen. Denn mit ihnen hat dir die Evolution die besten Laufschuhe schon in die Wiege gelegt.

LAUFE BARFUSS. ODER SO BARFUSS WIE MÖGLICH.
Am liebsten würden deine Füße immer barfuß laufen.  Leider ist das in unserer Welt kaum noch möglich. Schuld ist die Zivilisation. Sie zwingt dich, Schuhe zu tragen. Und die behindern den natürlichen Bewedungsablauf deiner Füße. Aber damit ist jetzt Schluss. ..."

Werbeprospekt der Fa. NIKE, März 2007: "RUN NATURAL Männer hier entlang":

"DIE NATUR HAT DICH ZUM PERFEKTEN LÄUFER GEMACHT.
Die Evolution hat dich mit einem außergewöhnlichen Bewegungstalent ausgestattet. Leider ist dieses Bewegungstalent durch die Einwirkungen der Zivilisation mehr und mehr verkümmert. Darum ist es Zeit für einen Richtungswsechsel.

Denn manchmal bringt dich nur ein Schritt zurück nach vorne. Ein Schritt zurück zu deinen natürlichen Bewegungsmustern und Körperfunkionen. Und dieser Schritt beginnt bei deinen Füßen. Denn mit ihnen hat dir die Evolution die besten Laufschuhe schon in die Wiege gelegt.

LAUFFE BARFUSS. ODER SO BARFUSS WIE MÖGLICH.
Barfuß arbeiten deine Füße, wie sie es von Natur aus gewohnt sind. Aber in der heutigen Welt kannst du nicht imer barfuß laufen ..."

Die Fa. Nike empfielt als Ausweg aus diesem Dilemma natürlich ihre Produkte. Die Barfuß-Initiative-Berlin empfielt allen körper- und naturbewußten Läuferinnen und Läufern:
Befreien Sie ihre Füße von ihren dunklen Lochgefängnissen! Es wird in diesem Werbetext ausgesagt, Sie würden als Frau einem unentrinnbaren Zwang von seiten der Zivilisation ausgesetzt sein, Schuhe zu tragen (für Männer gilt dies anscheined nicht). Diese Suggestion trifft in Wahrheit nur auf einzelne Bereiche des "gesellschaftlichen" oder beruflichen Lebens zu.

Es gibt genug Menschen in Deutschland, die sich diesem vermeintlichen Zwang nicht länger unterwerfen. Johannes Kathol hat in 2006 vom 27. März bis weit in den Dezember hinein keine Schuhe getragen, sich barfüßig auf den Marathon vorbereitet und den Berlin-Marathon 2006 vom ersten bis zum letzten Kilometer barfuß zurückgelegt. Weitere Beispiel von schuhbefreiten Läuferinnen und Läufern finden Sie auf dieser Internetseite oder im Hobby?Barfuß!Forum (siehe unter Links). Wenn auch Sie das völlig befreite Lauferlebnis kennenlernen wollen, dann starten Sie zu einem Probelauf mit der Barfuß-Initiative-Berlin. Ihre Füße werden sich freuen!

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Manche Musik verlangt eben Zehenspitzengefühl

"Die Welt", 30.01.2007 -  "Eines wollen wir mal festhalten: wer barfuß auf eine Bühne steigt und singt, kann nicht ganz falsch liegen. Ohne Schuh am Fuß verbessert sich das Gespür für die Schwingungen im Raum ...

Es dauert eine Weile, aber dann entspannt sich Katrin Achinger in die Situation hinein, ihre Tanzbewegungen auf der Bühne werden weicher, geschmeidiger, ausschweifender. Und die Füße nehmen Kontakt auf. Kontakt mit dem Boden und den Schwingungen, die er von dem Häuflein konzentriert Zuhörender zurückbringt. Wer barfuß auf eine Bühne steigt, kann manchmal erleben, wie er selbst zum ersten Adressaten seiner eigenen Musik wird. Am Sonntagabend schien es, als wäre es Katrin Achinger so ergangen."

Ungekürzte Fassung: Die Welt
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"Barfuß zum Sieg": Abebe Bikila

Geboren am 7. August 1932 in Mout (Äthiopien), gest. am 15. Oktober 1973
Größte Erfolge: Marathon Olympiasieger 1960 und 1964
Bestzeiten: 10000 m 29:00,8, Marathon 2:12:11,2

„Runner‘s World“,  Ausgabe September 2006, Seite 42: „Von den  Stars lernen":
Abebe Bikila ist der Übervater der äthiopischen Läufer.
Gegen seinen  Mythos rennen sie alle an. Mit ihm hatte alles angefangen. Das antike Rom  gab den Olympischen Spielen 1960 sein Gepräge. Es war eine gespenstische  Szenerie an diesem Abend des 10. September, dem Abend des Marathons, als  im fahlen Licht der Begleitfahrzeuge Abebe Bikila, der hagere Soldat aus  der Leibgarde Haile Selassies, dem Ziel als erster afrikanischer  Olympiasieger entgegenlief, barfuß wohlgemerkt. Nicht nur die Römer waren  hingerissen.

Abebe Bikilas Sieg in Rom bildete den eigentlichen Auftakt zum ostafrikanischen Vorstoß in die Welt der Leichtathletik. Es war der Anfang  einer Überlegenheit, die vor allem in den letzten 20 Jahren immer  ausgeprägter wurde. Bis dahin hatten Europäer die Laufszene beherrscht, ab  und zu unterbrochen von Amerikanern, Neuseeländern und Australiern. Abebe Bikilas Trainer war Onni Niskanen, ein Finne, der 1947 in Äthiopien  eine Regierungsstelle als Verantwortlicher des Leichtathletikprogramms  annahm. Er kombinierte sein Wissen über das Mittel- und  Langstreckentraining mit dem natürlichen Talent der Äthiopier und den  Vorteilen der Höhenlage des ostafrikanischen Landes. Viele Läufe fanden im  hügeligen Gelände außerhalb von Addis Abeba statt, doch daneben gab es  auch Bahntrainings  und lange Läufe von über 30 Kilometern. So lief Abebe  Bikila in der Vorbereitung auf seinen ersten Marathon, der nur einen Monat  vor den olympischen Spielen stattfand, in einer Woche zweimal 32 Kilometer.Dieses ersten Marathon beendete Abebe Bikila in 2:21:23 Stunden – auf 2400  m über dem Meer! Bei seinem Sieg in Rom realisierte er mit 2:15:16 eine  Weltbestzeit. Vier Jahre später in Tokio  wiederholte er seinen  Olympiatriumph, diesmal mit Schuhen, obwohl er sich nur sechs Wochen zuvor  einer Blinddarmoperation hatte unterziehen müssen. Seine 2:12:11  bedeuteten erneut Weltbestzeit. Unvergesslich, wie er sich nach seinem  Sieg gemütlich auf dem Rasen des Stadionovals niederließ und geschmeidige  Lockerungsübungen vollführte.

In Mexico City hoffte er auf das dritte Olympiagold. Er war aber schon mit  einer Knochenhautentzündung angetreten und musste nach 15 Kilometern  aufgeben. Im gleichen Jahr, 1968, hatte er einen schweren Autounfall, bei  dem er nur knapp überlebte, querschnittgelähmt. In der Nacht auf den 15.  Oktober 1973 starb Abebe Bikila, knapp 41-jährig. Von diesem Tag an begann  sein Mythos erst richtig zu leben."
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Klinisch platt
Fürs schnelle Spiel brauchen Fußballer griffige Schuhe - dem Fuß wird dabei jedoch einiges abverlangt. Die Geschichte einer Zwangsehe

Der Tagesspiegel, 01.06.06 - Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Das elementare Instrument der WM-Teilnehmer sind ihre Füße. Interessantes, sportliches und medizinisches über Sportfüße und Sportschuhe. Lesen Sie hier: Auszug aus dem Artikel: 'Klinisch platt'

"Bei Fußball-Weltmeisterschaften gilt wegen der großen Verletzungsgefahr die Schuhpflicht. Als der brasilianische Torjäger Leonidas da Silva 1938 im WM-Spiel gegen Polen wegen starken Regens Schuhe und Strümpfe ablegte und auf dem glatten Boden barfuß weiterspielen wollte, sorgte der Schiedsrichter dafür, dass er sie umgehend wieder anzog. Leonidas schoss trotz Schuhen allein in diesem Spiel vier Tore."

Weiter heißt es im Artikel des Berliner Tagesspiegel vom 01.06.2006:

"Aus Sicht der heutigen medizinischen Forschung ist ein Schuh, der eigentlich keiner mehr ist, am besten für die Füße. „Schuhe schützen den Fuß vor Umwelteinflüssen wie Kälte, Feuchtigkeit oder Scherben“, sagt Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Das ist ihr einziger Vorteil.“ Ansonsten schränkten sie unsere Bewegungen ein. „Je später der Mensch Schuhe bekommt und je weniger er sie trägt, umso gesünder sind seine Füße“, so Markus Walther, Chefarzt am Zentrum für Sportorthopädie und Fußchirurgie des Orthozentrums München." 

Belegt werden solche Aussagen durch wissenschaftliche Studien in Ländern, wo viele Menschen aus finanziellen Gründen keine Schuhe tragen. In Indien oder dem Kongo stellte sich heraus, dass sich der Fuß umso eher zum Plattfuß entwickelt, je früher und je häufiger am Tag man ihn in einen Schuh zwängt.

Schuhe sind vor allem nichts für Kinderfüße. Die meisten Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt. Wenn ihre Füße zunächst seltsam platt erscheinen, so ist dies nur ein Durchgangsstadium.
Sie brauchen keine Abstützung durch Schuhe und schon gar kein Fußbett“, sagt Walther. „Ihr Fuß richtet sich erst mit dem vierten bis sechsten Lebensjahr auf, wenn Bänder und Muskeln kräftiger geworden sind.“ Diese stabilisieren das federnde Fußgewölbe. Mit dem späteren klinischen Plattfuß hat diese Entwicklung nichts zu tun. Und nebenbei bemerkt: Fürs Fußballspiel sind Plattfüße kein Hindernis. Pelé schoss mit seinen Plattfüßen mehr als 1000 Tore für den FC Santos.

Für Kinder sei es am gesündesten, barfuß oder mit rutschfesten Socken zu laufen, sagt Walther. „Mit Schuhen haben sie meist Probleme.“ Für die erst Zweijährigen mit ihren noch sehr flexiblen Füßen seien die Sohlen oft zu hart. Und ungefähr die Hälfte aller Kinder trägt zu kleine Schuhe. Im Alter zwischen drei und zehn Jahren wachsen ihre Füße um bis zu drei Schuhgrößen pro Jahr – so oft wechseln die meisten Eltern die Schuhe ihrer Sprösslinge nicht. Viele Schuhgeschäfte haben außerdem nur eine Standardbreite vorrätig und nicht die drei Größen W, M und S.

Auch bei den viel verkauften Sportschuhen schielen Forscher immer häufiger aufs Barfußlaufen.
Der Fuß ist von Natur aus nachgiebig und gut zum Rennen geeignet. Selbst auf harten Böden.
Manche Athleten haben barfuß Höchstleistungen erzielt: Der Äthiopier Abebe Bikila gewann bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 ohne Schuhe die Goldmedaille im Marathonlauf über 42,195 Kilometer. Die in Südafrika geborene Zola Budd stellte 1984 mit 17 Jahren einen neuen Weltrekord über 5000 Meter auf – ebenfalls barfuß. Und noch 1995 bei der Weltmeisterschaft in Göteborg übersprang Christopher Kosgei aus Kenia beim 3000-Meter-Hindernislauf Hürden und Wassergräben auf nackten Sohlen in der zweitschnellsten Zeit.
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Der Fuß hat eine natürliche Dämpfung. Er verteilt die Last über eine Bogenkonstruktion aus 26 Knochen, aus mehr als zwei Dutzend Muskeln und über 100 Sehnen und Bändern auf Ferse und Vorderfuß. Beide sind gut gepolstert, vor allem die Ferse. Sie hat ein 15 bis 20 Millimeter dickes Fettgewebe. Das Fett ist in ein Druckkammersystem eingelagert, so überträgt sich die Kraft bei jedem Stoß auf eine große Fläche. Eine gewisse stoßartige Belastung schadet dem Fuß nicht, sondern führt im Gegenteil zu einer Steigerung der Knochenmasse. ...

Spieler wie Pelé erlernten ihr Fußwerk noch barfuß.  ..."

Der ganze Artikel:
http://www.tagesspiegel.de/wissen-forschen/archiv/01.06.2006/2557594.asp#

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Die Heilkraft der Bewegung

(Artikel von Jörg Blech, erschienen im „Spiegel“ Nr. 5/30.1.06)

„Bisher empfahlen Ärzte körperliche Aktivität meist, um Krankheiten vorzubeugen. Doch zunehmend erkennen Alzheimerforscher, Herzmediziner und Onkologen: Bewegung hilft Menschen auch dann, wenn sie schon erkrankt sind – häufig besser als teure Tabletten und Hightech-Medizin.

Auf den ersten Blick entspricht der Arbeitsplatz des kalifornischen Psychiaters Wayne Sandler dem Klischee: An der Wand hängen Bilder von Sigmund Freud, in einem Glasschrank liegen Lehrbücher der Hirnanatomie, und ein Sofa gibt es natürlich auch. Doch dann ist da noch etwas, das hier gar nicht hinzugehören scheint: zwei Laufbänder. ‘Immer wieder haben mir Patienten gesagt, wie wohl sie sich fühlen, wenn sie sich einmal richtig bewegen’, erzählt Sandler ... Doch, so klagen die Gemütskranken, sie fänden keine Zeit oder fühlten sich einfach zu labil, um Sport zu treiben. Aus diesem Grund beschloss Sandler, 54, seine Gesprächstherapie mit körperlicher Ertüchtigung zu kombinieren. ... Zwar verschreibt Sandler einigen seiner Patienten nach wie vor Psychopillen ... Jedoch ist er davon überzeugt, dass Bewegung mitunter eine gestörte Gehirnchemie besser ins Gleichgewicht bringt als Medikamente. Seine Lauf-Kundschaft jedenfalls sei begeistert, berichtet der Psychiater, der das Training mittlerweile wie eine Arznei verschreibt: ‘Bewegung wird jetzt Ihre Medizin sein – und Sie brauchen davon jeden Tag mindestens 30 Minuten.’

Auch Carolyn Kaelin glaubt am die Heilkraft der Bewegung. ... Sie gehört zu den bekanntesten Brustkrebs-Chirurginnen der USA ... Eine wachsende Zahl von Studien, berichtet Kaelin in ihrem kürzlich erschienen Buch, zeige: Körperliche Bewegung kann das Leben von Brustkrebspatientinnen verlängern und die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen verringern. (Carolyn M. Kaelin: ‘Living through breast cancer’. McGraw-Hill, New York; 384 Seiten; 22,90 Euro.)

Bisher empfahlen Ärzte körperliche Aktivität und Sport meist als Prophylaxe, um den Ausbruch von Krankheiten und Leiden zu vermeiden. Doch seit kurzem kommt die Bewegung in die ganze Medizin. Psychiater und Onkologen, ebenso Orthopäden, Demenzforscher und Kardiologen erkennen: Den Körper in Gang zu setzen hilft Menschen auch dann, wenn sie schon längst krank sind. ... Wer sich dreimal in der Woche eine halbe Stunde lang körperlich anstrengt, so entdeckten ... Forscher der amerikanischen Duke University in einer Vergleichsstudie, schützt sich genauso wirksam gegen Missmut und Trauerattacken wie Menschen, die täglich Stimmungsaufheller schlucken.

Auch bei herzkranken Menschen, berichtet der Kardiologe Rainer Hambrecht, 45, von der Universität Leipzig, sei Bewegung inzwischen als Therapeutikum anzusehen, das man wie ein bewährtes Medikament dosieren kann. Hambrecht: ‘Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit können ihre Lebenserwartung erhöhen, wenn sie beginnen, Sport zu treiben.’ ... Generell dürfte Onkel Doktors Rat zur Ruhe das Ableben etlicher Patienten befördern. Beispiel Herzmuskelschwäche: Die krankmachenden physiologischen Vorgänge, die zum Schwund des Pumpmuskels führen, verschlimmern sich, wenn der Betroffene sich auf ärztliche Anordnung hin nicht mehr bewegt. Gut informierte Mediziner verordnen inzwischen das Gegenteil: Einer aktuellen Übersichtsstudie zufolge kann Sport bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, um etwa 35 Prozent senken.

‘Viele Ärzte empfehlen (immer noch) bei verschiedenen Krankheiten körperliche Schonung oder raten von jeglicher körperlicher Aktivität ab’, klagt der Remscheider Internist Herbert Löllgen im ‘Deutschen Ärzteblatt’. Doch gerade bei Stoffwechselerkrankungen und Gelenkverschleiß seit Nichtstun ‘meist kontrainduziert’ und verschlechtere sogar die Lebensqualität.

Auch den Einfluss von Inaktivität auf gesunde Menschen haben Forscher neu bewertet: Der unter Büroangestellten so verbreitete Minimalgebrauch der Muskeln kann demnach fast so schädlich sein wie das Qualmen von Zigaretten. Die Sterblichkeitsrate träger Menschen liegt bis zu einem Drittel höher als jene reger Vergleichspersonen. Ein Senior, der jeden Tag eine Meile (1,6 Kilometer) weniger Spazieren geht als sein gleichaltriger Nachbar, wandert – bei sonst gleichen Risiken – sieben Jahre früher ins Grab.

Die Hoffnung, körperliches Nichtstun sei nicht weiter abträglich, sofern man nur das Gewicht halte und sich vernünftig ernähre, halten Evolutionsmediziner wie Frank Booth von der University of Missouri in Columbia für einen Trugschluss. Die modernen Menschen seien genetisch noch immer auf das Leben als Jäger und Sammler programmiert, weil ihre genetische Ausstattung sich in den 10 000 Jahren seit der Steinzeit kaum verändert hat. ... Auf eines ist das Erfolgsmodell Homo sapiens gar nicht eingestellt: Bewegungsarmut. ... Weil im bewegungsfaulen Körper die biochemischen Abläufe stocken, ballen sich beispielsweise die Blutfette vermehrt zu Gallensteinen: Trägen Personen wird häufiger als dem Rest der Bevölkerung die Gallenblase entfernt. Und weil im lahmen Leib die Verdauung schleppend abläuft, vergrößert sich die Kontaktzeit mit krebsauslösenden Stoffen aus der Nahrung: Inaktive Menschen haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, vom Dickdarmkrebs heimgesucht zu werden.

Die meisten Zivilisationskrankheiten führt Evolutionsmediziner Booth darauf zurück, dass der Stoffwechsel wegen allzu großer Untätigkeit aus dem Ruder läuft. Als Minimalanforderung sehen er und andere Forscher 30 Minuten moderate Bewegung am Tag an – etwa Walking oder Schwimmen. Als ‘inaktiv’ definieren sie alles, was darunterliegt. ‘Ohne dieses Mindestmaß an körperlicher Aktivität, die unsere Genome von uns erwarten ... ist es wahrscheinlich, dass eine pathologische Genexpression zu chronischen Krankheiten führt.’ Das würde bedeuten: Im Körper eines jeden Menschen, der sich nicht täglich mindestens eine halbe Stunde lang ertüchtigt, herrscht Ausnahmezustand. In den Zellen und Geweben laufen permanent krankmachende Vorgänge ab, und es scheint nur eine Frage der Zeit, ehe sich diese in Molesten und Beschwerden äußern. Das alte Konzept körperlicher Aktivität muß den Evolutionsmedizinern zufolge überdacht werden: Bewegung ist keineswegs eine nützliche Zugabe, um die Gesundheit zu verbessern. Vielmehr ist sie die Voraussetzung, die das normale Funktionieren des Menschen erst ermöglicht.

Mit den neuen Befunden erscheinen auch die vielfältigen Veränderungen des Körpers, die sich mit den Jahren einstellen, plötzlich in anderem Licht. ‘Was oft als Alternsvorgang verstanden wird’, sagt der Sportmediziner Hans Mechling von der Universität Bonn, ‘ist in hohem Maße das Resultat von Inaktivität.’ ‘Nachweislich’, so der Remscheider Internist Löllgen, ‘vermag nur regelmäßige körperliche Aktivität den biologischen Alterungsprozess aufzuhalten.’ ‘Wir altern nicht chronologisch, sondern biologisch’; erklärt der Arzt Irving Rosenberg. ‘Wenn man die Körperfunktionen erhält, dann kann man den biologischen Alterungsprozess überwinden.’

Eine große Zahl epidemiologischer Untersuchungen hat eindeutig ergeben: Tägliche körperliche Aktivität ist verbunden mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Gedächtnisschwund, Depression, Diabetes, Fettleibigkeit, und sie verlängert das Leben. Auch das Risiko für Brust- und Darmkrebs kann durch sie gesenkt werden. Gewiss, körperliche Bewegung kann dem Einzelnen niemals garantieren, dass Erkrankungen ausbleiben. ... 90 Prozent der über 50-Jährigen würden von regelmäßigem Training profitieren. ... Herbert Löllgen, 63, der stetig trainiert und bisher zehn Marathonläufe absolviert hat: ‘Schon Nordic Walking oder schnelles Spazierengehen haben einen nachweisbaren Effekt.’

Die Leibesübungen verheißen genau das, wonach das Volk lechzt: körperlich und geistig fit zu bleiben, Nach jedem Jahreswechsel strömen reuige Bewegungsmuffel, ihren guten Vorsätzen getreu, zu Tausenden in die Fitnessstudios. Und doch: Bei der Verwirklichung des Traumes täuschen sich viele selbst. Zwar behaupten 60 Prozent der erwachsenen Bundesbürger in Befragungen, sie seien sportlich aktiv. In Wahrheit ... erreichen ... 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung jene Minimalbeanspruchung, die der Gesundheit hilft. Der Bundes-Gesundheitssurvey offenbarte: Etwa 65 Prozent der 50- bis 59-jährigen Frauen und 60 Prozent der Männer desselben Alters sind kaum mehr in der Lage, die Treppe drei Stockwerke hochzugehen. Von den 30- bis 59-jährigen Frauen und Männern treiben mehr als die Hälfte überhaupt keinen Sport. Mehr als 65 Prozent der über 40 Jahre alten Männer sowie mehr als 70 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe gelten als inaktiv. ... Aufgrund ihrer Steinzeitgene bekommt ihnen dieses Lotterleben schlecht. Sie nehmen zwar ein Drittel weniger Kalorien zu sich als ihre nimmersatten Vorzeitahnen. Jedoch verbrennen sie, bezogen aufs Körpergewicht, nur noch 38 Prozent so viel Energie. Der Körper spült das Übermaß ... nicht einfach wieder hinaus. Vielmehr macht er daraus – es könnte ja eine Hungersnot kommen – störende Fettpolster an Bauch und Po. ...

Um den Krieg gegen chronische Krankheiten zu gewinnen, halten Physiologen regelmäßige Bewegung inzwischen für wirksamer als Diäten und das ewige Auf-die-Waage-Schielen. ... Eine wissenschaftliche Auswertung ergab: Seit 50 Jahren wechseln Diätmoden einander ab, ohne dass auch nur eine Wunderkur gefunden wäre. Wer eine Diät 15 Wochen durchhält, kann zwar an die elf Kilogramm verlieren. Allerdings ist der Effekt spätestens nach drei bis fünf Jahren verpufft und das alte Gewicht wieder erreicht. Umgekehrt nutzt Bewegung der Gesundheit – und zwar sogar dann, wenn man gar nicht abnimmt. Sie schützt gerade fettleibige Männer besonders wirksam vorm Infarkt. Aber auch aktive dicke Frauen haben im Vergleich zu inaktiven dünnen ein leicht erniedrigtes Risiko für Herzleiden. ...

Im Mittelabschnitt ihres Lebens rutschen etliche Bürger in einen passiven Lebensstil. Je mehr sie sitzen, desto mehr schrumpfen ihre Muskeln und werden durch Fett ersetzt. ‘Sarkopenie’ (nach dem griechischen ‘sarx’ für Fleisch und ‘penia’ für Mangel) hat Tufts-Forscher Rosenberg das Phänomen bereits 1988 auf einer Konferenz getauft. ‘Dieser heimtückische Niedergang der Körperstrukturen und der allmähliche Verlust der Leistungsfähigkeit ... wird dann zur willkommenen Entschuldigung dafür, den Zustand der Unbeweglichkeit beizubehalten.’ Sarkopenie-Opfer fänden es sogar normal, dass sie kaum mehr Kraft besäßen: Das sei, so ihre Erklärung, nun einmal eine natürliche Folge des Altwerdens. Welch ein Irrtum! Selbst hochbetagte Menschen können einen Großteil ihrer Kraft behalten, wenn sie denn nur Muskeln regelmäßig belasten. ...

Kreuzschmerzen sind ein weiteres Leiden, bei dem Bewegung als Schlüssel zur Selbstheilung entdeckt wird. So fanden englische Orthopäden in diesem Frühjahr heraus, dass ein Trainingsprogramm bei Rückenkranken genau so wirksam, darüber hinaus aber billiger und sicherer ist als die Versteifungsoperation, bei der die Wirbel mit Schrauben und Stäben miteinander verschränkt werden. ... Auch rheumatische Kniegelenke sind bis heute eine Domäne der Medizinindustrie: Entweder es werden Arthritismedikamente verschrieben, oder es werden künstliche Kniegelenke eingesetzt. Die Forscherin Miriam Nelson von der Tufts University in Boston ... glaubt herausgefunden zu haben, dass es auch ganz anders geht: Geplagte Patienten können sich selbst womöglich am besten helfen – indem sie die Muskeln ihrer schmerzenden Beine gezielt kräftigen. ... Mirjam Nelson sagt: ‘Aufeinmal konnten Leute, die Alltagsaktivitäten aufgrund ihrer Arthritis als immer schwieriger und schmerzhafter empfanden, wieder am Leben teilnehmen, wie es ihnen jahrelang nicht mehr möglich war.’

In der Summe kann Bewegung in einer immer älter werdenden Gesellschaft wie Deutschland den Ausbruch von Krankheiten nach hinten verschieben und die Zahl der gesunden Tage mehren. James Fries von der Stanford University School of Medicine in Kalifornien hat ... 370 Mitglieder eines Laufvereins und 249 träge Menschen untersucht. Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer im Durchschnitt 59 Jahre alt. Nach 13 Jahren erkundigte sich Fries, wie es den Leuten in der Zwischen zeit denn so ergangen sei. Das Ergebnis: Gesundheitliche Beeinträchtigungen waren bei den Läufern statistisch gesehen 12,8 Jahre später aufgetreten als bei den Faulpelzen.

So eindeutig die Datenlage, so schwierig ist es für Ärzte, die Menschen zum Mitmachen zu motivieren (davon kann auch die Barfuß-Initiative-Berlin ein Lied singen, Anm. d. BiB). Der Leipziger Herzspezialist Hambrecht etwa ist frustriert über rauchende, immobile und schwergewichtige Patienten, die er nicht zur Änderung ihrer Gewohnheiten bringen kann. Dabei hat er Argumente vorzuweisen, die in der internationalen Fachwelt derzeit für Aufsehen sorgen. Bis ins molekulare Detail können die Leipziger mittlerweile den Einfluss körperlicher Bewegung auf das Herz erklären. Zu seinem Team an der Universität Leipzig zählen ein Sportlehrer und mehrere Molekularbiologen; in zwei Räumen stehen Laufbänder, Fahrräder und ein Ultraschallgerät zur Untersuchung der Herzkranzgefäße bereit. In einer Studie ließen die Leipziger zwölf Menschen mit Herzmuskelschwäche sechs Monate lang Sport treiben: Jeden Tag 20 Minuten Radfahren und 60 Minuten Walking oder Ballspiele pro Woche. Anschließend entnahmen die Forscher den Freiwilligen Gewebeproben aus dem Streckmuskel des Oberschenkels. Das Ergebnis vermeldeten die Leipziger Anfang April im Fachblatt ‘Circulation’: Im Vergleich zu elf passiven Herzpatienten hatte sich in den Sportlermuskeln die Aktivität sogenannter Radikalfängerenzyme deutlich erhöht. Diese Enzyme vernichten Sauerstoffradikale, die den Herzmuskel schädigen und die Pumpschwäche maßgeblich bewirken. Im Klartext: Durch Fahrradfahren und Spazierengehen kann ein Herzpatient seine Krankheit direkt auf molekularer Ebene bekämpfen. Es fängt schon damit an, dass im Zuge körperlicher Anstrengung das Blut flotter durch die Adern fließt als im Ruhezustand. Die erhöhten Scherkräfte führen dann dazu, dass im Innern der Gefäße ein bestimmtes Enzym vermehrt hergestellt wird. Dieses Enzym wiederum sorgt für die Bildung des Botenmoleküls Stickstoffmonoxid, das ... die Dehnbarkeit der Blutgefäße sicherstellt. Genau diese Fähigkeit ist bei einer Arteriosklerose eingeschränkt. Es gilt also: Durch Sport kann man die beginnende Verkalkung seiner Gefäße umkehren.

Körperliche Aktivität normalisiert nicht nur die biochemischen Kreisläufe, sondern läßt in Organen und Geweben neue Zellen heranwachsen. Das erfuhren die Leipziger Ärzte, nachdem sie 18 Männer mit Raucherbein im Anfangsstadium dazu gebracht hatten, vier Wochen lang jeden Tag einmal auf dem Laufband zu joggen. ... Die Zahl der zirkulierenden Stammzellen verdreifachte sich; und die zellulären Alleskönner machten sich daran, die kaputten Gefäße von innen zu reparieren. Bewegung, glaubt Hambrecht, sei womöglich eine ‘körpereigene Stammzelltherapie.’ Psychiater und Gerontologen lässt dieser Befund nicht weiter staunen. Auch sie haben ... Hinweise gefunden, dass körperliches Tun neue Zellen sprießen lässt – im Gehirn. Dabei galt bis vor kurzem noch der umgekehrte Fall als normal: Jeden Tag gehen Tausende Nervenzellen zugrunde. ... Zwischen dem 30. und dem 90. Geburtstag gehen 15 bis 25 Prozent der grauen Zellen verloren, wobei ausgerechnet die fürs Lernen und Erinnern zuständigen Areale am stärksten schrumpfen. Der Psychologe Arthur Kramer von der University of Illinois in Urbana-Champaign hat diesen Hirnschwund nachweisen können, als er die Köpfe von 55 ältren Menschen mit einem Kernspintomografen durchleuchtete. Er hatte jedoch auch gute Nachrichten zu berichten: Bei jenen Probanden, die bei Tests auf dem Laufband am besten abschnitten, waren die Verluste im Denkorgan deutlich vermindert. Zwar starben auch bei ihnen Zellen ab, jedoch ging das offenbar mit einer erhöhten Neubildung von Neuronen einher. In einem anderen Experiment durchleuchtete Kramer die Gehirne von Testpersonen, während diese Denkaufgaben zu lösen hatten. Nicht nur, dass die fitteren Probanden dabei besser abschnitten als bewegungsscheue Vergleichspersonen. Auch zeigten ihre Gehirne eine höhere Aktivität, während sie die Aufgaben angingen. ‘Fitnesstraining verbessert die Wirksamkeit und Leistung von Nervenzellen’, sagt Kramer. ... Tatsächlich mehren sich in jüngster Zeit die Hinweise, dass ein Mindestmaß an Betätigung in der Freizeit vor Demenz und dem Altersschwachsinn Alzheimer schützt, der allein in Deutschland 700 000 Bürger befallen hat. Im Oktober veröffentlichten schwedische Forscher die Daten von Menschen, deren Gewohnheiten in Punkto Bewegung seit 20 Jahren penibel aufgezeichnet worden waren. Das Ergebnis: Diejenigen, die im Mittelabschnitt des Lebens wenigstens zweimal in der Woche körperlich aktiv waren, haben ein um 60 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Sogar wenn sich im Kopf bereits Schusseligkeit und Verwirrung bemerkbar machen, kann Bewegung offenbar wie eine gute Medizin wirken. Bei Labormäusen, die über Monate regelmäßig auf Laufrädern rannten, verringerten sich im Gehirn jene Ablagerungen (Amyloidplaques) die mit der Alzheimerschen Krankheit einhergehen. ‘Anstelle einer Arznei’, so der federführende Forscher Carl Cotman von der University of California in Irvine, ‘war es ein natürliches Verhalten, das zur Verringerung der Alzheimer-typischen Pathologie’ im Gehirn geführt hat. Menschen scheinen von dem Effekt ebenfalls zu profitieren, berichtet das Blatt ‘Annuals of Internal Medicine’ in seiner aktuellen Ausgabe. Die Erhebung an 1750 ältren Leuten ergab: Moderates Wandern, Schwimmen, Aerobic oder etwa Krafttraining halfen jenen Senioren am meisten, die zu Beginn der Studie  bereits leicht verwirrt waren – es ist demnach also nie zu spät, den Leib in Schwung zu bringen. ‘Selbst wenn man 75 Jahre alt ist und nie zuvor körperlich aktiv war’, sagt Eric Larson von der University of Washington in Seattle, ‘kann man immer noch profitieren, wenn man jetzt damit anfängt.’ ... Nun sagen Hirnforscher: ... Wer seinen Leib trainiert, der züchtet sich im Oberstübchen frische Nervenzellen heran, die dann das Denkvermögen verbessern.

Doch wie genau formt ein aktiver Körper seinen Geist? Beim Studium von Labortieren hat Henriette van Praag vom Salk Institute im südkalifornischen La Jolla offenbar die Antwort gefunden. Von einer Biotech-Firma ... bekam die Neurowissenschaftlerin 19 Monate alte Mäuse (das entspricht einem Menschenalter von 60 Jahren) geschenkt. Sie waren ihr ganzes Leben lang in Käfigen gehalten worden. Die eingepferchten Nager waren ideal, um den Effekt von Fitness auf abgestumpfte Gehirne zu studieren. Eine Hälfte der Mäuse setzte van Praag, 44, in einen Käfig mit Laufrad, auf dem sie jeden Tag fünf bis sechs Kilometer rannten. Der anderen Hälfte hingegen wurde eine Möglichkeit zur Bewegung weiter verwehrt. Nach 35 Tagen ließ Henriette van Praag jede Maus in eine milchige Wasserwanne plumpsen. In der Mitte des kreisrunden Pools befand sich eine versteckte Plattform, auf der Mäuse stehen können, vergleichbar einer verborgenen Untiefe im Meer. Da die Nagetiere wasserscheu sind, bleiben sie auf der Plattform, wenn sie beim Herumpaddeln auf diese stoßen. Setzt man ein und dieselbe Maus nun mehrere Male nacheinander ins Becken, so merkt sie sich die Lage der Plattform. Und siehe da: Das Abschneiden bei diesem Lerntest hing stark davon ab, wieviel die Altmäuse sich zuvor körperlich bewegt hatten. ‘Faule alte Mäuse gaben bald auf, dümpelten herum und warteten darauf, dass ich sie aus dem Becken hob’, erzählt Henriette van Praag, die ihre Ergebnisse im September im ‘Journal of Neuroscience’ veröffentlicht hat. Während die trägen Tiere im Durchschnitt 30 Sekunden brauchten, bis sie auf die Plattform stießen, waren die trainierten Artgenossen doppelt so schnell: Nach 15 Sekunden schon hatten sie die Zuflucht gefunden. Die Unterschiede in der Denkkraft führen van Praag und ihre Kollegen darauf zurück, dass in den Köpfen der Laufradmäuse frische Nervenzellen gewachsen sind. Denn zehn Tage nach dem Schwimmtest wurden alle Mäuse getötet und die Zahl der neugebildeten Nervenzellen in ihren Gehirnen gezählt. Tatsächlich hatten sich bei den Sportlern wesentlich mehr Hirnzellen zu voll funktionstüchtigen Neuronen entwickelt als bei den Nichtrennern. Die verkümmerten Gehirne der Mäuse wurden auf dem Laufrad gleichsam verjüngt.

Die Leibesertüchtigung kurbelt offenbar die Produktion von Proteinen an, die gezielt Nervenzellen wachsen lassen. BDNF (‘brain-derived-neurotrophic-factor’) heißt eine der Substanzen, die als Gehirndünger wirken. Schon trachten die Forscher in La Jolla danach, möglichst viele dieser Zauberstoffe im Körper des Menschen dingfest zu machen ... Obwohl die Experimente noch ganz am Anfang stehen, gibt sich Henriette van Praag jetzt schon überzeugt, dass nicht nur alte Mäuse-, sondern auch betagte Menschengehirne von körperlicher Bewegung profitieren. ‘Wenn sie ihre alternden Verwandten vor Parkinson schützen wollen ... dann kaufen sie denen ein Laufband.’ “
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Am besten barfuß auf Rasen

"Manches Problem hat der Läufer nur wegen seiner Schuhe / Für jeden lässt sich aber etwas Passendes finden / Serie: Teil 3
[Artikel von Tobias Miller, erschienen in der 'Berliner Zeitung' am 10.06.2005, Seite 18]

Das wichtigste Bindeglied zwischen Läufer und Umwelt sind seine Schuhe. Im besten Fall merkt der Sportler nicht, dass er welche trägt. Sie sorgen dauerhaft für beschwerdefreie Trainingsstunden und Wettkämpfe. Manchmal sorgen sie aber auch für Probleme, die der Läufer ohne Schuhe gar nicht hätte. Das ist die etwas bittere Erkenntnis nach 25 Jahren Forschung.

'Die Belastung etwa des Hüftgelenks ist beim Laufen mit Sportschuhen durch die Dämpfung größer als beim Barfußlaufen', sagt Roland Wolff, Orthopäde und Sportmediziner an der Humboldt-Universität und Kooperationspartner des Olympiastützpunktes. 'Viele Probleme sind mit modernen Schuhen erst entstanden', sagt auch Derk Beggerow vom Sportgeschäft Lang & Lauf (
www.lang-und-lauf.de). Eine zu starke Dämpfung kann zu Problemen an der Achillessehne führen, heißt es im jüngsten Laufschuh-Vergleich der Stiftung Warentest (Juni-Ausgabe). Als Kunden wurden die Läufer von der Industrie Ende der 80er-Jahre entdeckt. Bis dahin gab es nur wenige Laufschuh-Modelle. Die Auffächerung des Angebots mit Schuhen für jeden Läufertyp hatte zunächst vor allem Marketinggründe. Die systematische Schuh-Forschung begann damals erst.

Ursache für manche Läufer-Probleme ist nach den Worten des Orthopäden Wolff auch der Versuch, vermeintlich 'falsche' Fußstellungen zu korrigieren. 'Es gibt aber keinen Normalwert', sagt Wolff. Daher gebe es auch kein richtiges oder falsches Laufbild. Werde es an einer Stelle geändert, laufe man Gefahr, den Bewegungsapparat woanders zu sehr zu belasten. Etwa wenn Stützenauf der Innenseite der Schuhe das starke Einknicken nach innen verhindern sollen, das so genannte Überpronieren. Die Anpassung des Bewegungsapparates, die man durch das Training ja erreichen will, werde durch die passive Stütze verhindert. In der Fachzeitschrift Medical Tribune hieß es vergangenen Sommer zu dem Thema: Solche Stützen sind 'nur ein mangelhafter Ersatz für einen gut funktionierenden Fuß'. Dieser wird von gut trainierten Muskeln gehalten. Das erreicht man vor allem durch Barfußlaufen, bestätigen nun die jüngeren Erkenntnisse aus den Lauflabors. 'Ideal ist das Barfußlaufen auf Rasen', sagt Wolff. Dabei werden die 26 Knochen, 33 Gelenke und mehr als 100 Muskeln, Sehnen und Bänder eines Fußes ideal belastet und trainiert, die Quer- und Längsgewölbe des Fußes so stabilisiert, dass er die Laufbelastungen auffangen kann. Schließlich muss er bei jedem Schritt das Mehrfache des Körpergewichts aushalten. Auf diese Barfuß-Erkenntnis haben Nike und Puma mit neuen Schuh-Modellen reagiert:

Nike Free, 100 Euro, 220 Gramm pro Schuh. Für Training (bis zu zehn Kilometern) und für den Alltag gut geeignet, eher für trainiertere Läufer. Dieser Schuh will das Barfußlaufen imitieren, weil es das beste Training für die Fußmuskulatur ist. Der Free verfügt über keine Dämpfungseigenschaften, die Sohle ist komplett instabil, das Obermaterial ist stretchartig. Für lange Läufe oder gar Marathon ist er nicht geeignet.

Puma Theron, 110 Euro, 330 Gramm pro Schuh, eher für trainiertere Läufer. Ähnlich wie beim Free ging es Puma bei dem Modell auch darum, sich dem Barfußlaufen zu nähern. Der Unterschied zu den bisher gängigen Laufschuhmodellen ist die extrem geringe Sprengung - darunter versteht man das Gefälle zwischen der Ferse und dem Vorfuß. Das beträgt beim Theron weniger als ein Zentimeter. Sonst sind 1,3 bis 1,8 Zentimeter normal. Der flache Schuh ist gewöhnungsbedürftig und verlangt eine kräftige Fußmuskulatur.

Ganz ohne Hilfen wird ein Läufer aber wegen der oft asphaltierten Strecken nicht auskommen. Das Angebot ist aber inzwischen so groß, dass es für jeden Typ ein passendes Modell gibt. Das findet man ohne Beratung nur schwer. Das Verkaufsgespräch kann aber noch so gut sein, ob der Schuh passt, zeigt sich erst im Training. Zudem sollte jeder Läufer täglich seine Fußmuskulatur trainieren. ...